Begriff

KybernEthik

Sein Wort. Sein Leben. 1993.

KybernEthik ist von Foersters eigene Wortschöpfung — Titel seiner Autobiographie, erschienen 1993 im Merve Verlag Berlin. Kybernetik und Ethik, zusammengedacht. Weil beides für ihn dasselbe war: Wie beobachte ich — und was folgt daraus für mein Handeln? Erkenntnis ohne ethische Konsequenz war für ihn kein vollständiges Denken.

Verlag, Berlin 1993): Kybernetik und Ethik zusammengedacht. Die Erkenntnis, dass wer versteht, wie Beobachtung funktioniert, nicht umhin kommt, Verantwortung dafür zu übernehmen. Beobachten ist keine neutrale Tätigkeit — es ist immer auch eine ethische. ── subline ── Kybernetik und Ethik — ein Wort, eine Konsequenz ── vertiefung (HTML für TinyMCE) ──

1993 erschien im Berliner Merve Verlag ein schmales Buch. Titel: KybernEthik. Autor: Heinz von Foerster. Das Wort war seine Erfindung — und diese Domain trägt es als Hommage.

KybernEthik ist kein Kompromiss zwischen zwei Disziplinen. Es ist die Behauptung, dass Kybernetik und Ethik dasselbe sind — oder sein müssen, sobald man die Konsequenzen der Kybernetik zweiter Ordnung wirklich ernst nimmt.

Die Argumentation ist direkt: Wenn jeder Beobachter Teil des Systems ist, das er beobachtet — wenn es keinen neutralen Standpunkt außerhalb gibt — dann ist jede Beschreibung der Welt auch ein Eingriff in sie. Der Therapeut, der seine Klienten beschreibt, verändert sie durch die Beschreibung. Der Lehrer, der Schüler beurteilt, formt sie durch das Urteil. Der Forscher, der ein System untersucht, ist kein unbeteiligter Zeuge.

Daraus folgt: Wer beobachtet, trägt Verantwortung für das, was er sieht — und für das, was er dadurch bewirkt. Es gibt kein unschuldiges Beobachten. Jede Beschreibung ist eine Entscheidung. Und Entscheidungen haben ethische Dimensionen.

Von Foerster formulierte das nicht als Vorwurf, sondern als Einladung. Wer begreift, dass er die Wirklichkeit miterzeugt, die er beschreibt, kann anfangen, diese Mitverantwortung bewusst zu tragen. Er kann fragen: Was erzeugt meine Beobachtung? Was schließt sie ein — und was aus? Cui bono: Wem nützt meine Konstruktion?

KybernEthik ist deshalb kein Regelwerk. Es ist eine Haltung. Die Bereitschaft, sich selbst als Beobachter zu beobachten — und die Konsequenzen dieses Blicks auf sich zu nehmen.

Was erzeugt deine Beobachtung —
in dem Moment, in dem du beobachtest?

Was würde sich in deinem Handeln ändern — wenn du wirklich glauben würdest, dass du deine Wirklichkeit miterfindest?