Begriff
Neugierologe
Sein Wort für sich selbst
Von Foerster nannte sich selbst, mit einem Lächeln, „Neugierologe" — den Wissenschaftler der Neugier. Nicht als Methode, sondern als Haltung. Neugier nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Lebensprinzip. Die Frage ist nicht: Was nützt mir dieses Wissen? Sondern: Was öffnet sich, wenn ich weiterfrage?
Neugier. Oder genauer — die Haltung, dass Neugier keine Eigenschaft ist, die man hat oder nicht hat, sondern eine Entscheidung, die man trifft. Immer wieder. Auch wenn es unbequem wird. ── subline ── Die Wissenschaft vom Staunen ── vertiefung (HTML für TinyMCE) ──
Von Foerster erfand das Wort — halb ernst, halb spielerisch, ganz von Foerster. Neugierologie: die Wissenschaft der Neugier. Oder vielleicht besser: die Kunst, neugierig zu bleiben.
Für ihn war Neugier keine Persönlichkeitseigenschaft. Keine angeborene Begabung, die manche haben und andere nicht. Neugier war eine Haltung — eine Entscheidung, die man in jedem Moment treffen kann. Die Entscheidung, nicht zu wissen statt zu wissen. Die Entscheidung, eine Frage offen zu lassen statt sie zu schließen.
Das klingt einfacher als es ist. Denn Wissen gibt Sicherheit. Wer weiß, muss nicht mehr suchen. Wer eine Antwort hat, kann aufhören zu fragen. Von Foerster beobachtete, wie Institutionen — Schulen, Universitäten, Unternehmen — systematisch Neugier durch Wissen ersetzen. Kinder kommen neugierig zur Schule und lernen dort, Antworten zu produzieren. Die Fragen werden unwichtiger als die richtigen Antworten.
Dagegen setzte von Foerster das Staunen. Er liebte das deutsche Wort — »Staunen« hat eine Qualität, die »curiosity« nicht hat. Staunen ist nicht rastlos. Staunen kann auch still sein. Ein Innehalten vor etwas, das man noch nicht versteht — und das man vielleicht gar nicht vollständig verstehen will, weil das Verstehen das Staunen beenden würde.
In seinen Vorlesungen stellte er Fragen, auf die er selbst keine Antwort hatte. Nicht als didaktisches Mittel — sondern weil er wirklich nicht wusste. »Vielleicht bekommen wir zusammen heraus, wie das funktioniert.« Das war keine Bescheidenheitsformel. Das war Neugierologie in Aktion.
Wann hast du zuletzt eine Frage gestellt,
ohne die Antwort bereits zu kennen?
Wann hast du zuletzt etwas gefragt — ohne zu wissen wozu?