Begriff
Wir sind verdammt, frei zu sein
Freiheit als Zumutung
Weil wir die Wirklichkeit miterfinden, sind wir verantwortlich für das, was wir erfinden. Wir können uns nicht hinter „so ist es nun mal" verstecken. Freiheit ist bei von Foerster kein Geschenk — sie ist eine Zumutung. Und gleichzeitig die einzige ehrliche Haltung gegenüber einer Welt, die wir selbst erzeugen.
Von Foerster liebte starke Formulierungen. »Verdammt frei« ist eine davon — eine Antwort auf die Frage, wie es sich anfühlt, wenn man die konstruktivistische Konsequenz wirklich ernst nimmt.
Wenn es keine objektive Wahrheit gibt, die man erkennen könnte — wenn Wirklichkeit immer Konstruktion ist — dann entfällt auch die Entschuldigung, man habe keine Wahl gehabt. Niemand kann sagen: »Ich musste so handeln, weil die Realität so ist.« Wer versteht, dass er seine Wirklichkeit konstruiert, steht vor der vollen Last seiner Freiheit.
Das ist keine Befreiung im leichten Sinne. Es ist eine Zumutung. Jean-Paul Sartre nannte es »zur Freiheit verurteilt sein« — von Foerster sagte dasselbe mit anderen Worten und einem anderen Unterton: weniger düster, mehr staunend.
Denn für von Foerster war diese Freiheit kein Fluch, sondern ein Geschenk — das man allerdings erst annehmen muss. Wer begreift, dass er seine Welt erfindet, kann anfangen, sie bewusster zu erfinden. Er kann fragen: Welche Konstruktion ist viabel? Welche öffnet Möglichkeiten? Welche schließt sie?
»Verdammt frei« bedeutet also: Du kannst nicht nicht wählen. Auch Nicht-Wählen ist eine Wahl. Also wähle — und tu es mit offenen Augen.
Welche Konstruktion deiner Wirklichkeit trägst du gerade mit dir —
ohne sie als Konstruktion zu erkennen?
Wo versteckst du dich gerade hinter „so ist es nun mal" — obwohl du weißt, dass du es miterfindest?