Hommage · Wien 1911 – Pescadero 2002
Heinz von
Foerster
Neugierologe.
Kybernetiker.
Provokateur.
Auf Augenhöhe.
Er machte bei der ersten Begegnung einen Handstand.
Nicht als Gag. Nicht als Provokation. Sondern weil er
wissen wollte, wie die Welt von unten aussieht — und weil
er fand, dass man das auch zeigen darf.
Heinz von Foerster (1911–2002) war Physiker, Kybernetiker,
Philosoph — und vor allem: ein Mensch, der Neugier als
Lebensprinzip lebte. Er nannte sich selbst, mit einem
Lächeln, „Neugierologe".
Er dachte nicht in Disziplinen, sondern in Zusammenhängen.
Er bewegte sich selbstverständlich zwischen Physik,
Biologie, Philosophie und Kunst. Er interessierte sich
für Magie, für Computermusik, für die Frage wie Gedächtnis
funktioniert — und für die noch tiefere Frage: Wie wissen
wir, was wir zu wissen glauben?
Seine Antwort war unbequem und befreiend zugleich:
Wir wissen es nicht. Wir erfinden es.
„Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist unsere eigene
Erfindung."
Das ist kein Nihilismus. Es ist eine Einladung zur
Verantwortung. Denn wenn ich die Wirklichkeit miterfinde —
bin ich verantwortlich für das, was ich erfinde.
Daraus folgte sein ethischer Imperativ:
„Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst."
Nicht: Tu das Richtige. Sondern: Halte die Welt offen.
Er wurde der „Sokrates des kybernetischen Denkens" genannt —
nicht weil er Antworten gab, sondern weil er Fragen stellte,
die das Denken in Bewegung brachten. In seinen Vorträgen
erklärte er viel — aber nie um fertige Wahrheiten zu
vermitteln. Sondern um zu zeigen, wie Denken entsteht.
Am Biological Computer Laboratory in Illinois, das er 1958
gründete, gab es flache Hierarchien, offene Türen, keine
Disziplingrenzen. Maturana und Varela entwickelten dort
die Autopoiese. Bateson war zu Gast. McCulloch debattierte
bis in die Nacht.
Es war ein Ort, an dem Denken ansteckend war.
Heinz von Foerster starb am 2. Oktober 2002 in Pescadero,
Californien — in dem Haus, das er selbst gebaut hatte.
Diese Domain trägt seinen Titel: KybernEthik.
Sein Wort. Sein Leben. 1993.
»Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.«
kybernethik.org trägt seinen Titel.
Als Hommage. Und als Frage.